Little T stellt sich vor

Nachdem ich mich neun Monate fein herausgeputzt hatte, verließ ich mein Einraumapartment am 10.03.2015 pünktlich zur Prime Time. Schnell wurde mir bewusst, dass das nicht die beste Entscheidung meines Lebens werden sollte.

Hatte ich es vorher warm, kuschelig, mit bedingungslosem Schaukeln zum Einschlafen und Futter, wann immer ich Hunger hatte, erreichte mich nun die Gewissheit der Luxus war vorbei. Die knallharte Wahrheit erwischte mich schon in den ersten Tagen abseits des Schutzes meiner Mama – jetzt war ich dran!

Ich muss was tun – ich muss mich bemerkbar machen – ich muss lernen – ich muss entdecken – ich muss unbedingt und immer spielen und ich wollte das alles auch. Leicht ist mein Weg mit Sicherheit nicht, aber lest selbst, wie es mir die letzten 8 Monate so ergangen ist…

 

Einstieg ins Ungewisse

Von Natur aus bin ich ein sehr skeptischer junger Mann. Nicht, dass es lange dauern würde mich von etwas zu überzeugen, aber alles Neue muss erst einmal ausgiebig begutachtet werden.

Kurz nachdem ich auf die Welt gekommen bin, sollte dies auch sogleich getestet werden – schaute mich da doch ein Mann an, der sich irgendwie vertraut anhörte und auch vertraut aussah. Ein Blick in den Spiegel bestätigte: der sah aus wie ich?! Wie konnte das sein? War ich in einem Parallel-Universum und sah meine etwas ältere Version? Nicht, dass ich mich über mein späteres Aussehen beschweren würde – aber wo bleibt denn da die Überraschung? Gott sei Dank klärte meine Mama alles auf – das war mein Vater! Und hier kam auch der erste Vorteil meines Schlüpfens zum tragen – vorher noch unbekannt und abgeschirmt, konnte ich mich jetzt mit meinem Dad vertraut machen, ihn knuddeln, mit ihm schäkern und spielen.

Meine Eltern sind toll, denn sie lieben mich bedingungslos und finden mich atemberaubend, süß und einfach perfekt. Ich kann es ihnen noch nicht sagen, aber ich liebe sie auch und deswegen schenke ich ihnen jeden Tag mindestens ein Lächeln.

 

Lernen, Lernen, Lernen

Erst ist alles Schwarz-Weiß und verschwommen. Dann wird alles bunt, laut, scharf und aufregend. Schon in den ersten Wochen musste ich das Schlafen ganz neu erlernen, plötzlich war es kalt und schaukelte nicht mehr die ganze Zeit. Auch das Futtern wurde komplizierter, und dabei esse ich doch so gerne. Nach dieser Ernüchterung gab es nach meinem vierten Monat endlich – endlich – endlich richtiges Essen. Mittlerweile bin ich schon zur Stulle und leckerer Banane vorgedrungen – eine große Erleichterung für den Gourmet in mir.

Damit nicht genug, entdeckte ich die Welt weiter und weiter. Der neblige Schleier lüftet sich von Tag zu Tag mehr. Ich erkundschaftete die Badewanne, im Wasser zu plantschen ist einfach nur großartig, ich erforschte Materialien und Gegenstände, ich lernte nach Sachen zu greifen, zu trinken, zu lächeln, zu robben, zu sitzen, zu krabbeln und mich hochzuziehen.

Könnt ihr euch vorstellen, wie anstrengend das alles sein kann? Wie geflasht man jeden Abend ins Bett geht? Wisst ihr eigentlich wie aufregend eure Welt ist, wenn man klein ist – habt ihr in letzter Zeit einmal diese unbeschriebene Perspektive eingenommen? Schafft ihr es noch täglich Neues zu entdecken und sollte man sich dies nicht ein Stück weit bewahren?

 

littlet

 

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