Schwangerschaft: gekennzeichnet auf der Haut

Wie habt ihr mitbekommen, dass ihr schwanger seid? Mein Körper hatte da seine ganz eigene Methode. Allgemein ist er sehr eigen, wenn es ihm zu viel wird oder er mir etwas mitteilen möchte, sendet er mir Botschaften. Frei nach dem Zufallsprinzip verpackt er seine Nachrichten in Form von Tinnitus, Allergien oder kreisrundem Haarausfall.

Als Frau kreisrunden Haarausfall zu haben, ist einfach nur furchtbar. Wer einmal davon betroffen war, lebt mit der Angst, dass es jederzeit wieder der Fall sein könnte. Fragt sich, ob die Haare nächstes Mal auch wiederkommen werden oder wie groß ein potentieller neuer Fleck sein könnte. Regelmäßig sucht man bewusst und unbewusst seinen Kopf auf mögliche kahle Stellen ab.

 

Die Botschaft

Am 07.07.2014 saß ich an meinem Schreibtisch im Büro, vertieft in eine Aufgabe und streifte mal wieder durch meine Haare. Kurz hinter meinem Ohr musste ich an diesem Tag inne halten. Ich merkte meinen Finger auf meiner Kopfhaut – keine Haare – eine ungeschützte Stelle. Die Begegnung von Haut auf Haut war so kalt und befremdlich. Panik stieg in mir hoch. Den Weg zur Damentoilette rannte ich förmlich. Dort angekommen, kämpfte ich schon mit meinen Tränen. Der bloße Verdacht reichte, um meine Welt aus den Fugen zu katapultieren. Sofort begann ich nachzudenken, was könnte es dieses Mal sein. Stress? Nein – eigentlich war doch gerade alles gut – es konnte kein Stress sein – oder doch?

Die Spiegel brachten mir selbst leider keine Gewissheit, aber die Freundin, die diese Szene miterleben musste, schon. Sie bestätigte meine Vermutung. Der kreisrunde Haarausfall war zurück in meinem Leben.

Unter kreisrundem Haarausfall versteht man allgemein hin einen begrenzten, runden Haarverlust. Das Immunsystem wendet sich gegen den eigenen Körper, und die Zellen in den Haarwurzeln werden abgestoßen. Zurück bleiben eine oder mehrere kreisrunde, kahle Stellen. Meistens wachsen die Haare nach einer bestimmten Zeit wieder nach. Bei mir war es das dritte Mal, dass ich davon betroffen war. Das erste Mal mit 14 Jahren, dann mit 18 Jahren und nun mit 25 Jahren. Fast so, als würde ich zu jedem einschneidenden Ereignis meines Lebens diesen unwillkommenen Gast für eine Zeit lang beherbergen müssen.

Ich war so enttäuscht, dass mein Körper mich wieder so leiden ließ – so traurig über den Verlust – so voller Sorge, ob sie dieses Mal auch wieder kommen würden – so voller Furcht, wie groß das betroffene Areal sein würde, und so dankbar, dass es wieder an einer Stelle war, die ich gut verstecken konnte.

Das Grübeln währte an, bis die Gewissheit einige Tage später kam: Ich war schwanger. Es war nicht geplant und zu Beginn merkte ich nichts. Erst als ich anfing, mir Gedanken über mich zu machen – nachdem mein Körper mal wieder eine Botschaft an mich gesendet hatte.

botschaft

Meine Botschaft #1: Eine Schwangerschaft kann kreisrunden Haarausfall begünstigen

Die Schwangerschaft zeichnete sich also auf meiner Haut ab. Sie verpasste mir einen Schönheitsmakel. Einen, der mich zu Beginn gefangen nahm – mich lähmte – mir Angst machte, mich umtrieb und zum Weinen brachte. Den Start in die Schwangerschaft hatte ich mir anders vorgestellt. Die Kugelzeit sollte doch eigentlich schön und ausgeglichen ablaufen.

Eine kurze Recherche im Internet bestätigte mir, was ich mir schon dachte. Wer ein kommunikationsfreudiges Immunsystem hat, der kann gerade in Schwangerschaft und Stillzeit mit kreisrundem Haarausfall rechnen. Zum Glück bescherte mir mein Körper nur einmal das Vergnügen und verschonte mich in der Stillzeit. Nach einem dreiviertel Jahr begann die Stelle, kurz bevor ich Mama wurde, wieder zuzuwachsen. Die Erleichterung und Freude versteht wahrscheinlich nur ein ebenfalls Betroffener. Denn auch jetzt, wo die Haare schon wieder 7 cm lang sind, habe ich immer wieder Angst, dass der Haarausfall an einer anderen Stelle ausbrechen könnte.

 

Meine Botschaft #2: Hört in euch hinein und denkt daran was wichtig ist

Wichtig ist: einmal in sich hinein zu hören. Darüber nachzudenken, was einem gut tut und was nicht. Gerade in der Schwangerschaft geht es schließlich nicht mehr nur um einen selbst.

Genau wie die Stelle, begleitete mich mein Krümel von da an jeden Tag ganz bewusst. Und die Stelle ermahnte mich jeden Tag daran zu denken, was nun wichtig war. Die Gesundheit von meinem Krümel und meine innere Ausgeglichenheit.

 

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